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Festung Bard

Die ersten Spuren menschlicher Ansiedlungen in der Schlucht von Bard stammen aus der Bronzezeit. Auf das II. Jahrtausend v.C. gehen die ersten Spuren einer kulturellen Entwicklung zurück: Eingeritzte Zeichen auf den glatten Felsen und Schalen zu Füßen des Forts weisen auf Rituale hin, mit denen die Götter günstig gestimmt werden sollten. Schon immer war der enge Durchgang zwischen dem Fluß Dora und der steil abfallenden Felswand eine Art Nadelöhr, um in das Aosta Tal zu gelangen. Die zum größten Teil in den Felsen gehauene Straße stammt aus der Zeit der Römer.

Das Dorf Bard, das sich längs der gallischen Konsularstrasse entwickelte, die bis Mitte des vorletzten Jahrhunderts die einzige Verbindung mit Aosta war, wird in vielen Reiseberichten des späten Mittelalters erwähnt und war seit Jahren ein Ort, an dem die Erhebung des Weggeldes und der Tribute üblich war und wovon seit 1272 die Register aufbewahrt wurden. Von besonderem Interesse sind die aus dem Jahr 1300, der ersten Ernennung des heiligen Jubeljahres: damals kamen mehr als 1.500 Pferde vorbei. Das Dorf sah auf beiden Seiten der schmalen Strasse, die am Fuß des Berges verläuft und wo sich die Festung von Bard erhebt, Herrenhäuser entstehen. Antike Gebäude - einige davon sind zu nationalen Monumenten deklariert worden - bewahren zahlreiche architektonische Elemente von besonderem Wert auf, wie zum Beispiel  Kreuzstockfenster mit umgekehrtem Kiel, Fenster mit zwei separaten Flügeln, Haustüren, Überreste von gemalten Dekorationen und Wappen der Adeligen. Im Dorf gab es ein Gasthaus, das „Gasthaus zum Engel“, das bereits im XIV, Jahrhundert aktiv war, und zwei Spitäler, in denen die Reisenden gepflegt wurden.

Aufgrund der strategischen Stellung für die Kontrolle des Durchgangs kann man davon ausgehen, dass der Felsen von Bard schon in vorrömischer Zeit befestigt gewesen sein muß. Durch Dokumente belegte Beweise hierfür stammen jedoch aus viel späterer Zeit. Einige Historiker meinen hier den vom Ostgoten-König Theoderich zu Beginn des 6. Jht. errichteten befestigten Posten (clusurae augustanae) gefunden zu haben. Aus dem Jahr 1034 stammt der erste schriftliche Hinweis auf das Bestehen einer Befestigung. Besitzer war der Visconte Aosta Boso, dessen Nachkommen bis zur ersten Hälfte des 13. Jht. als Herren von Bard galten. 1242 wurde das Schloß von Amedeo IV. von Savoyen erstürmt und gelangte damit in den Besitz der Savoyer. 1661 ließ Carlo Emanuele II. die Festungen von Verrès und Montjovet abreissen und verlagerte die gesamte Artillerie nach Bard, das damit zum Hauptstützpunkt der Streitkräfte des Herzogtums Savoyen im Aosta Tal wurde. Im Verlauf des 17. und 18. Jht. sind zahlreiche Erweiterungen und der Ausbau der Verteidigungsstrukturen belegt.

Zum wichtigsten Kriegsschauplatz wurde Bard während der Belagerung 1800. Im Morgengrauen am 14. Mai 1800 überqueren 40.000 Mann der Armée de réserve Napoleons die Alpen über den Paß des Großen San Bernardo mit der Aufgabe, das österreichisch- piemontesische Heer zu überrumpeln, das die Po-Ebene besetzt hielt. Der Abstieg verlief problemlos bis Bard, wo er durch das österreichischen Bataillon auf Wache in der Festung abrupt gestoppt wurde. In der Nacht des 21. Mai kapitulierte die Stadt Bard nach einem nächtlichen Angriff, aber der Kommandant der Festung, Hauptmann Bernkopf, weigerte sich aufzugeben. Der Plan von General Marmont, die Kanonen im Dunkeln der Nacht bis auf die Spitze des Felsens zu transportieren, scheiterte, ein weiterer Angriff der Franzosen konnte abgewehrt werden, so daß den Franzosen nichts Anderes übrig blieb, als die Festung zu belagern. Nach einem Tag ununterbrochener Bombardierung unterzeichnete Bernkopf am 1. Juni unter militärischen Ehren die Kapitulation.

Verärgert durch den unerwarteten Widerstand ließ Napoleon die Festung bis auf ihre Grundmauern schleifen. Carlo Felice, der eine neue Aggression durch Frankreich befürchtete, setzte sich 1827 für den Wiederaufbau von Bard ein und betraute mit dieser Aufgabe Francesco Antonio Olivero, Offizier im Corpo Reale del Genio. Der Wiederaufbau dauerte von 1830 bis 1837. Die neue Festung bestand aus drei Gebäuden in unterschiedlichen Höhen: das untere Festungsgebäude erhielt den Namen Ferdinando, das mittlere Vittorio und das obere Carlo Alberto. Diese Lösung einer Anlage aus selbständigen Gebäuden mit Kasematten für die Artillerie sollte gewährleisten, daß im Fall eines feindlichen Angriffs die gegenseitige Verteidigung sichergestellt ist. Insgesamt hatte die Festung 283 Räume mit Platz für 416 Personen (bei auf der Erde verlegten Strohmatten waren es doppelt so viele). In den Lagern konnten Munition und Vorräte für drei Monate untergebracht werden. Die Bewaffnung umfaßte ungefähr fünfzig Feueröffnungen. Mit dem Ende des 19. Jht. setzte dann der Verfall der Festung ein: Zunächst wurde sie als Gefängnis, später dann als Lager genutzt.

1975 wurde das Fort aus Militärbesitz freigegeben und dann 1990 von der Region erworben. Eine Gruppe Experten unterschiedlicher Fachbereiche unter der Leitung von Regionalbeamten entwarf eine Möglichkeitsstudie für die Rückgewinnung des gesamten Gebäudekomplexes einschließlich des benachbarten Ortsteils.

Quelle: http://www.infobard.it/tedesco.htm

Die Planungen für den Umbau und die Restaurierung des gesamten Komplexes begannen 1993. Insgesamt wurden 37 Mio. Euro für die Finanzierung des Projektes - zum Teil aus Mitteln der Europaeischen Union - zur Verfügung gestellt. Am 15 Januar 2006 wurde ein erster Teil der Festung dem Publikum wieder zugänglich gemacht. Mit der Eröffnung steht der Öffentlichkeit ein wichtiger kultureller und touristischer Anziehungspunkt im unteren Aostatal zur Verfügung. Ein Museum sowie verschiedene Ausstellungen stehen dem Besucher offen. Im Frühjahr 2006 ist die Eröffnung eines Hotels sowie eines Restaurants mit Caffetteria geplant. Der Eintritt in das Festungsgelände und die Benutzung des Schrägaufzuges ist kostenlos. Ebenfalls kann die Ausstellung zur Geschichte und den Bräuchen des Aostatales ohne eine Eintrittsgebühr besichtigt werden. Für den Besuch des Alpen Museums sowie der Gemäldeausstellung ist ein Eintritt erforderlich.

Das Alpen Museum sollte auf jeden Fall besucht werden. Es beinhaltet unter anderem das Leben, Geschichte, Kriege, Tourismus, Geologie, Flora und Fauna des Alpenraumes. Modernste Multia-Media Technik wurde eingesetzt, so dass der Besuch nicht mit einem normalen Museum zu vergleichen ist. Schon der Eingang, der sich  in der ehemaligen Kirche befindet, ist beeindruckend. Licht, Farben und eine musikalische Untermalung stimmen auf das Museum ein.